12.06.2017 /

Die Türen waren offen

hierzu lud der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Heidenheim e.V. am Dienstag, 27.06.2017 in die Räumlichkeiten der AWO-Schwangerenberatungsstelle ein.

Neben Besuchern aus den verschiedensten mit der Schwangerenberatung kooperierenden Einrichtungen, Institutionen, Behörden oder aus dem gynäkologischen Bereich, informierten sich auch einige interessierte Bürger über das vielfältige Angebot der Schwangerenberatungsstelle und waren von deren Arbeit mehr als beeindruckt.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Birgit Koepsel (Geschäftsführung AWO Kreisverband HDH e.V.) führte das Team der Schwangerenberatung unter der Leitung von J. Mludek in einem interessanten anschaulichen Rundgang durch die Räume. Wie funktioniert die sexualpädagogische Präventionsarbeit, die mit großer Beliebtheit an verschiedenen Schulen des ganzen Kreisgebietes angeboten werden? Wie erklärt man heute das Thema Verhütung bei Jugendlichen? Was wenn die Pille noch nicht in Frage kommt, wie kann dennoch eine ungewollte Schwangerschaft verhindert werden? Was passiert im Körper wenn zwei Menschen Sex miteinander haben? Was versteht man unter frühkindlicher Aufklärung heute? Oder was ist die Absicht eines Babysimulatoren, wie erkennt er wer seine „Mama“ ist? Abgerundet wurde der informative Teil durch das Heranführen an das Beratungsangebot zum Thema Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach sowie zu Pränataldiagnostik und Schwangerschaftskonflikten.

Anschließend zeigte Johanna Mludek als Dipl. Sexualpädagogin und zertifizierte Sexualberaterin komödiantisch gekonnt in einem einmaligen, kurzweiligen und ebenso amüsanten wie informativen Fachvortrag aus fachlicher Sicht, die Parallelen des wirklichen Beziehungslebens bei Paaren und der Wissenschaft auf und stieg auch gleich wie folgt ein:

„Wie haben sie sich kennengelernt – war es Liebe auf den ersten Blick hatte der Beziehungsbeginn eine lange Anlaufphase? Was sind die Voraussetzungen für den langen Erhalt einer glücklichen Beziehung? Am Anfang erscheint uns alles rosarot, da wir alles am Partner lieben. Besonders die Eigenschaften, die uns in späteren Jahren dann leider auch oft am meisten an unserem Partner stören. Das „Was Erwartet uns“ steht im Vordergrund, ein unerforschtes Universum, das es nun heißt zu erkunden. Zwei Komponenten nämlich „Traum“ und Realität“ treffen aufeinander. Logisch am Anfang überwiegt der Traum, doch was geschieht wenn die Realität die Überhand gewinnt? Schaffen es Paare hierin für immer die Waage zu halten, dann sei ihnen lt. Mludek auch eine lange und glückliche Partnerschaft garantiert.

Nichtaußeracht zu lassen sind natürlich auch die Hormone, die es in den ersten eineinhalb Jahre in großer Anzahl zu finden gibt und die für das Zusammenwachsen zweier Personen zu einer Einheit verantwortlich sind. Dann flachen sie ab und nach sieben Jahren sind diese weg! Daher auch die wissenschaftliche Belegung der These was es mit dem „verflixten 7. Jahr“ auf sich hat.  Eine weitere wichtige Rolle spielt die hormonelle Ungleichheit zwischen Weiblein und Männlein, die dafür verantwortlich ist, warum Männer mehr als Frauen auf „Sex“ fixiert seien. So haben Männer alle vier Stunden einen Hormonschub – Frauen hingegen nur einmal im Monat während des Eisprungs!

Auch die Konfliktlösung wurde humorvoll anhand des Beispiels, wenn immer herumliegende Schuhe des Partners im Flur zu finden sind, erläutert. Es gäbe drei Möglichkeiten hiermit umzugehen: 1. Man sagt gar nichts und räumt die Schuhe einfach weg, was zur Folge hat, man ärgert sich im Stillen und irgendwann explodiert man; 2. Man sagt sofort, dass es einen stört, womit der Streit sofort vorhanden sei oder 3. Lernen wir es, zu akzeptieren, rät J. Mludek – atmen sie tief durch und denken sie es könnte ja noch schlimmer sein.

Der Fortbestand einer Beziehung bringt auch eine große Vertrautheit, das Fallenlassen von Benimmregeln und den Abbau von Hemmschwellen mit sich. So sei z.B. einen Pubs des Partners, wenn er nicht gerade beim Sex ist,  als Symbol für das Vorhandensein einer großen Vertrautheit anzusehen.

Doch eine Partnerschaft nur auf zwei Säulen – der Vertrautheit und  Liebe  – aufgebaut, reicht auf Dauer für den Fortbeschtand einer Partnerschaft nicht aus, denn lieben wir nicht auch unsere Kinder, Eltern, Geschwister? Nein, es gehört ganz wichtig eine 3. Säule hinzu – der SEX! Das Prickeln, sich auch nach Jahren noch interessant zu finden, die Erotik und die Sexualität muss unbedingt erhalten bleiben. Es ist ganz normal erklärt J. Mludek, irgendwann in der Pubertät gehen Frauen und Männer getrennte Wege, Männer fixieren sich mehr auf das körperliche, Frauen distanzieren sich in dieser Zeit eher meist von ihrem Körper und haben im Alltag oft viele Dinge im Kopf. Da bleibt für Sex  wenig Zeit, wobei es doch 237 Gründe für SEX gäbe! Sie appelliert an alle Paare, hieran zu arbeiten. Es sei wichtig, sich das Prickeln und die Lust am Partner zu erhalten. Sex sollte daher fester Bestandteil im Terminplan sein. Abwechselnd könne man ja festlegen, wer die Vorgaben hierfür gibt und dafür Sorge zu tragen hat, dass der „Kuchen dann noch schmeckt“. Auch das Knistern und Prickeln kann man wieder herstellen indem man sich dem Partner bei manchen Dingen geheimnisvoll gibt – man wird staunen wie spannend man auf einmal wieder ist.

Nicht zu vergessen die musikalische Umrahmung des Ganzen – denn auch hier wurde es verstanden, die Besucher auf höchstem Niveau durch Gesang (Stefanie Martin) und Klaviermusik (Barbara Grupp) zu verzaubern.

Resümee: Die Lachmuskeln wurden an jenem Abend stark strapaziert und alle waren von der ebenso fachliche wie humorvoll einwandfreie komödiantisch wie musikalische Darbietung begeisgtert.